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Großübung: ICE entgleist im Tunnel und gerät in Brand

Großübung: ICE entgleist im Tunnel und gerät in Brand

Großübung 24.10.2015
Großübung 24.10.2015
Neustadt/Wied. Die Großübung war im Vorfeld nicht geheim gehalten worden. Trotzdem lief sie unter sehr realistischen Bedingungen ab. Bereits am Samstagabend gegen 21 Uhr kamen rund 260 Statisten aus dem gesamten Kreis Neuwied und dem Westerwaldkreis in das Feuerwehrhaus nach Neustadt. Dort warteten schon der Kreisfeuerwehrinspekteur Werner Böcking, Landrat Rainer Kaul, Landesfeuerwehrinspekteur Hans-Peter Plattner und Staatssekretär Randolf Stich. Rund 30 der Fahrgäste wurden realitätsnah mit unterschiedlichsten leichten und schweren Verletzungen entsprechend geschminkt.

Werner Böcking gab eine Einweisung für die Statisten über ihr Verhalten während der Übung. Ein Teil der Fahrgäste bekam Zettel mit Anweisungen, zum Beispiel den Notruf über 110 oder 112 abzusetzen. Hier galt es zu sehen, wo der Notruf aufläuft, in Montabaur oder Siegburg beziehungsweise welche Polizeidienststelle erreicht wird. Von dort wurde dann der Großalarm ausgelöst. Bevor es soweit war, ging es für die Statisten mit fünf Bussen über die Autobahn zum ICE Bahnhof nach Montabaur. Der Zug fuhr zunächst nach Siegburg, um noch den letzten regulären Zug, der um Mitternacht über die Strecke rauschte, durchzulassen.

Nachdem die Strecke frei war, ging es zurück in den Tunnel Fernthal und der Zug wurde fast mittig im Tunnel gestoppt. Helfer der Feuerwehr bauten eine Nebelmaschine auf und setzten sie in Gang, um den Einsatz realitätsnah zu gestalten, damit auch die Sicht im Tunnel eingeschränkt war. Ausgerechnet kurz vor dem Start der Übung kam des in Fernthal zu einem schweren Verkehrsunfall. Hier musste die Feuerwehr Neustadt ausrücken. Dadurch verzögerte sich der Übungsbeginn. Um 0.50 Uhr wurden dann im Zug von mehreren Fahrgästen der Notruf abgesetzt.

Die Fahrgäste mussten zunächst im Zug verbleiben bis der Strom auf der Strecke abgeschaltet war. Dann mussten die unverletzten Fahrgäste über zwei Notleitern den Zug verlassen und wurden vom Zugpersonal aufgefordert in Richtung Tunnelausgänge und zu dem Notausgang, der sich mittig des Tunnels befindet, zu gehen. Hier wurde dann bewusst oder unbewusst von der Realität abgewichen. Zum einen stiegen die Leute auf Anweisung an einer Tür aus, die stark verraucht war und dann wurden die Fahrgäste teils durch den Rauch zurückgeschickt, um einen anderen Ausgang zu nehmen. Im realen Szenario wären viele Rauchgasvergiftungen oder sogar schlimmeres die Folge gewesen. Ob diese Abweichung geplant war, wird die Nachbesprechung zeigen. 

Mittlerweile waren die ersten Einsatzkräfte eingetroffen. Sie wurden auf die beiden Tunnelportale und den Notausstieg verteilt. Ein erster Erkundungstrupp kam in den Tunnel. Für die verletzten Personen muss es eine gefühlte Ewigkeit gedauert haben, denn auch das Licht im Zug ging dann aus. Im Tunnel gab es eine Notbeleuchtung. Eine ganze Reihe von Beobachtern des Szenarios führte genau Buch, damit in der Nachbesprechung die Punkte, die verbesserungswürdig sind, behandelt werden. Bis alle Beteiligten gerettet, versorgt und teils abtransportiert waren, dauerte natürlich gut zwei Stunden. 

Übungsziel war die Überprüfung der bisherigen Alarm- und Einsatzplanungen und Test der Selbstrettung, Alarmierung, Funktion und Handhabung der eingebauten technischen Sicherheitseinrichtungen der Bahn, die Zusammenarbeit der Rettungskräfte, die Kommunikation während der Übung, die Disziplin auf den Bereitstellungs- und Rettungsplätzen, die Rettung der verletzten Personen sowie die Versorgung und Betreuung der verletzten und unverletzten Personen.

In einer ersten Bilanz bewertet Übungsleiter Holger Kurz, stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur, dass die gesetzten Übungsziele von den rund 450 Kräften aus den Bereichen Feuerwehr, Polizei, Bundespolizei, Rettungs- und Sanitätsdienst, Schnelleinsatzgruppen, Organisatorische Leiter, Leitende Notärzte, Notfallseelsorger, THW, DRK, MHD, Bundeswehr erreicht wurden. Um endgültige Aussagen treffen zu können, werden nun die von 20 Beobachtern aus verschiedenen Fachbereichen erstellten Berichte ausgewertet und bewertet. Mit einem endgültigen Ergebnis rechnen die Organisatoren in drei bis vier Wochen. (woti)

Hintergrund: 
An der ICE-Strecke ist zur Aufrechterhaltung der Betriebserlaubnis alle drei Jahre eine Tunnelübung durchzuführen. In diesem Jahr war der Landkreis Neuwied an der Reihe. Der Fernthal-Tunnel ist mit einer Länge von 1555 Metern der längste ICE-Tunnel auf Neuwieder Kreisgebiet. Die beiden anderen sind 1130 Meter (Günterscheid-Tunnel) und 755 Meter (Ammerich-Tunnel) lang.
 
NR-Kurier Online, Samstag, 25. Oktober 2015

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